Die hybridation und sämlingszucht der rosen pp. 122-124 (1864)
Rudolf Geschwind

5. Die brombeerblätlrige-, Prairie- oder Michigan-Rose (R. rubifolia, Brown. R. fenestrata, Donn.).

Specifischer Charakter.

Strauch 6—12 Fuss hoch, mit geraden, aufwärts steigenden Wurzelschossen, aufrecht stehend, nicht rankend. Zweige roth , glatt, sparsam stachelig, gerade, kräftig. Stacheln nicht gross, zerstreut stehend, gekrümmt, röthlich, zuweilen nebenblattständig. Blätter gross, auffallend den Brombeerblättern ähnlich , auseinanderstehend, aus 5 Blättchen zusammengesetzt, im Herbste abfallend. Blättchen eirund, spitzig, gross, blaugrün, oben glänzend und glatt, unten matt und filzig, ungleich gezähnt. Nebenblätter blattständig, röthlich. Blattstiel stark, drüsig, mit einigen Stacheln besetzt. Deckblätter lang, drüsig. Blumenstiel lang, drüsig. Kelchröhre klein, kugelförmig, nackt, zuweilen mit Drüsenborsten bekleidet. Kelchblätter drüsig, kurz, mit einigen Anhängseln. Blumen klein, nicht viel über 1 Zoll breit, einfach, blassroth, fast ohne Geruch. Blumenkronenblätter oben herzförmig, eingebogen. Blüthenstand oft einzeln, gewöhnlich aber zu dreien beisammen. Blüthezeit August und September. Pistille in ein längliches Säulchen verwachsen. Staubgefässe zahlreich. Frucht klein, rund, nackt, ohne Kelchblätter, roth.

Vaterland: Nordamerica.

Eingeführt im Jahre 1830.

Varietäten und Hybriden. Die in unseren Gärten cultivirten Prairierosen-Varietäten sind zur Mehrzahl Hybriden von der R. multiflora gewonnen, und schon durch den kletternden Habitus und den reichdoldigen Blüthenstand als solche kennbar. Zu den besten Sorten gehören: Anna Maria Beauty of the Prairies Belle de Baltimore Caradori Allan Eva Corinna Jane Linnean Hall Beauty — Mrs. Hovey Milledgeville of the Prairies Perpetual Président Pride of Washington Queen of the Prairies Ranunculiflora Triumphant Virginie Lass.

Cultur und Vermehrung. Obzwar nicht ganz frosthart, so hält die Prairierose doch in vielen Gegenden ganz ohne Bedeckung oder nur unter einer leichten Reisigdecke aus. Kann man aber den Prairierosen eine Erddecke bieten, so wird die Gefahr des Erfrierens — dem besonders die noch spät im Jahre erscheinenden langen, unausgereiften Schosse sehr ausgesetzt sind — beseitiget. Wo die in Rede stehende Rose als Kletterrose zur Bekleidung von Wänden benützt wird — und hiezu eignet sie sich vortrefflich, indem sie noch spät gegen den Herbst zu Massen von Blüthen bringt und solcher Weise einen besonderen Effect verursacht — da müssen alle im Laufe des Spätsommers und Herbstes erscheinende Triebe sogleich ausgeschnitten und auf die Erzielung eines gut gereiften Holzes hingewirkt werden; sofort nehme man im Spätherbste nach einem umsichtigen Ausschneiden dünner Triebe das massige Verkürzen der ausgereiften Hauptschosse vor, und behänge die ganze Wand, soweit die Prairierose rankt, mit Tannenreisig, welches gegen Hinwegnahme vom Wind mittelst leichter Latten befestiget wird. Hat man zugleich vermieden, die Michigan-Rose im Herbste zu begiessen, welches nur das Austreiben der Schosse befördert, so kann man versichert sein, dass eine so behandelte Rose den härtesten Winter ohne Nachtheil überstehen wird. Sonst liebt die fragliche Rose den Schnitt nicht.

Vermehrt wird die Prairie-Rose sehr leicht durch Stecklinge, welche erstaunlich schnell wurzeln, häufiger durch Ableger und Wurzeltriebe, sowie die Veredlung auf gesunde Hochstämme von R. canina dazu dient, hohe Gegenstände schnell umkleiden zu können.

Uebrigens kann die Veredlung nur bei Topfexemplaren empfohlen werden; am geeignetsten bleibt die wurzelechte Anzucht, und als Trauerrosen eignet sich fast nur die Varietät: Perpetual Pink.

Eine umsichtige Verbesserung dieser Species durch weitgreifende Kreuzungsversuche dürfte recht liebliche Neuheiten hervorlocken und so die Gruppen der Kletterrosen einen erfreulichen Zuwachs erhalten.